Absolut begeisternd - gehört zu meinen Lesehighlights des Jahres
Wow, was für ein grandioser Thriller! "Nummer 138" von Gavin Bell hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Ich habe das fast 500 Seiten starke Buch regelrecht verschlungen und bin immer noch völlig begeistert, wie packend, clever und unbarmherzig dieses Werk konstruiert ist. Der Klappentext klingt so genial wie beängstigend: Ein Serienmörder zieht durch die USA und tötet scheinbar völlig willkürlich. Die grausame Gemeinsamkeit der Tatorte? Die Hausnummer. Genauer gesagt: 138 Main Street. Was im ersten Moment wie eine gezielte Suche nach dem Killer wirkt, entpuppt sich als ein logistischer Albtraum für die Ermittler, denn es gibt in den Vereinigten Staaten weit über 7.300 Straßen mit diesem Namen!Man spürt beim Lesen förmlich, wie die Panik das ganze Land ergreift, wie Nachbarn plötzlich misstrauisch werden, die Menschen sich in ihren Wohnungen verschanzen und die Polizei vor einem schier unlösbaren Rätsel steht. Bei den folgenden Ermitlungen begleite ich den FBI-Agenten Ben Walker, die scharfsinnige Officer Zoe Hill und den brillanten Analytiker Matt Brodie. Sie sind keine unfehlbaren Superhelden, sondern spürbar gestresste, authentische Charaktere, die unter einem unfassbaren Zeitdruck stehen. Ich habe selten bei einer Ermittlergruppe so intensiv mitgefiebert. Die Dynamik im Team ist greifbar und die Verzweiflung angesichts eines Gegners, der ihnen permanent drei Schritte voraus ist, absolut glaubwürdig.Neben dem rasanten Erzähltempo faszinierten mich die wechselnden Erzählperspektiven. Der Autor springt meisterhaft zwischen den Ermittlern, dem Alltag potenzieller Opfer in den verschiedenen Bundesstaaten sowie der eiskalten Logik des Täters hin und her. Man spürt förmlich die nackte Angst der Bewohner, die einfach nur das Pech haben, an der falschen Adresse zu wohnen. Als der New York Times dann auch noch das Manifest des Killers zugespielt wird und er fordert, die Wall Street zu schließen - andernfalls droht die Sprengung ganzer Häuserblöcke - eskaliert die Story komplett. Aus einer Mordserie wird ein flächendeckendes, politisch aufgeladenes Szenario mit einem Showdown, welches es nochmal richtig in sich hat.Der Schreibstil ist dabei so unglaublich lebendig, bildhaft und klar, dass beim Lesen im Kopf ein regelrechter Blockbuster abläuft. Das Buch greift aktuelle gesellschaftliche Ängste auf, seziert die Macht der Medien und zeigt, wie schnell eine gesamte Nation durch Angst gespalten werden kann. Das ist nicht nur hochspannend, sondern stellenweise erschreckend realitätsnah und aktuell.Für mich ist "Nummer 138" schon jetzt eines der absoluten Thriller-Highlights des Jahres sowie eine glatte Leseempfehlung mit fünf Sterne. Aber Vorsicht: Danach wirft man definitiv einen ganz anderen Blick auf das eigene Straßenschild!