In seinem 11. Fall für Luc Verlain und sein Team entführt uns Alexander Oetker in das tief verschneite Aquitaine. Es ist wenige Tage vor Weihnachten als ein Spaziergänger bei seinem Rundgang mit dem Hund die Leiche der beliebten Gemeindekrankenschwester findet. Bei oberflächlicher Betrachtung der Toten sieht es so aus, als handle es sich um einen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht, wenn, wenn da nicht die Würgemale am Hals der Toten wären.
Recht schnell stoßen Luc und seine Kollegin Rose Schillinger nicht nur auf den gewalttätigen Ex-Ehemann sondern auch auf eine ungewöhnlich hohe Todesrate bei älteren Menschen, die augenscheinlich keine Verwandten mehr haben. Es scheint, als hätte das Opfer eine Entdeckung gemacht, die weite Kreise zieht. Als sich ein schwerwiegender Verdacht gegen mehrere honorige Personen erhärtet, greift Luc Verlain zu einer nicht ganz ungefährliche Maßnahme.
Während sie sich in diesen neuen Fall hineinknieen, muss sich Yacine, der im letzte Fall (Strandgut) einen Verdächtigen erschossen hat, vor Gericht verantworten. Bei einer Verurteilung wegen ungerechtfertigten Schusswaffengebrauchs, droht ihm die Entlassung aus dem Polizeidienst und Gefängnis. Auch Luc, als Vorgesetzter und Augenzeuge, muss aussagen. Wie wird das Urteil ausfallen?
Meine Meinung:
Wie in den Vorgängern präsentiert uns Alexander Oetker Land und Leute des Aquitaine, diesmal aber tief verschneit, ohne Horden von Touristen, sondern zurückgeworfen auf sich selbst. So muss ein Hotel extra für Verlain und Schillinger die Winterruhe unterbrechen und der hektische Betrieb ist einer glitzernden Schneelandschaft gewichen. Natürlich dürfen, neben den durchaus unkonventionellen Ermittlungen, man will ja das kommende Weihnachtsfest in Ruhe feiern, ein paar Minuten des Innehaltens, um das silberfarben glänzende Meer zu betrachten, nicht fehlen.
Alexander Oetker spricht ein ernstes Thema an, das komplex und nicht nur in Frankreich zu finden ist: Die Landflucht und Überalterung der Gesellschaft sowie das Fehlen von Infrastruktur wie Geschäfte und medizinischer Versorgung. Zudem spricht der Autor die gesellschaftliche Veränderung an, die Polizisten immer wieder zu Feindbildern deklariert, wie Medien, die über ausufernde Polizeigewalt schreiben, ohne nähere Hintergründe des Einsatzes zu kennen.
Spannende Szenen wechseln sich mit Einblicken in das persönliche Leben der Protagonisten ab. Der Krimi liest flüssig und stimmig, auch wenn die aktuell herrschenden Temperaturen von jenseits der 30 Grad keine winterliche Stimmung aufkommen haben lassen.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Krimi, der uns in das winterliche Aquitaine entführt, 5 Sterne.