Während seiner Ferien wird Poirot zufällig Zeuge eines merkwürdigen Dialogs. Ein Mann und eine Frau reden darüber, dass jemand sterben muss. So merkwürdig Poirot diese Worte auch findet, so wenig macht er sich Gedanken darüber, als er sich jedoch einige Zeit später wieder an dieses Gespräch erinnert, ist eine gewisse Mrs Boynton tot, eine Amerikanerin, die mit ihrer Familie den nahen Osten bereist und Poirot wurde gebeten sich die Umstände ihres Todes noch einmal anzusehen. Auf den ersten Blick ist die alte Dame an einem Herzleiden verstorben, es wundert niemanden, die Reise war beschwerlich, die alte Dame schon länger gesundheitlich angeschlagen und wirklich traurig ist auch niemand, war Mrs Boynton doch eine absolute Tyrannin, der keines ihrer Kinder auch nur eine Träne nachweint und in eben zweien dieser Kinder erkennt Poirot das Pärchen, das er zufällig belauscht hat. Ein merkwürdiger Zufall.In "Der Tod wartet" spielt die Handlung wiedereinmal im nahen Osten, den Agatha Christie selbst ja oft und gerne bereist hat. Sie schickt das Ensemble ihrer Figuren nach Pertra in Jordanien und macht diese atemberaubende Kulisse kurzerhand zum Schauplatz eines Mordes und nicht nur das, sie offenbart hier ein Familiendrama sondergleichen und seziert ihre Figuren auf psychologischer Ebene, wie sie es wohl in keinem ihrer anderen Bücher getan hat. Der Stil des Buches ist etwas anders, als man es von AC gewohnt ist. Zum einen kennt man schon direkt von Anfang an das Opfer, Mrs Boynton, es kann gar niemand anderes sein, wird ihr Tod doch sogar im Klappentext erwähnt. AC macht direkt klar, dass die alte Dame ihren Tod verdient hat, sie wird fast als das personifizierte Böse etabliert, manipulativ und autoritär herrscht sie über ihre Stiefkinder, aber auch über ihre leibliche Tochter, sie hat alle über Jahre an sich gebunden, ihr Leben bestimmt, sie in ständiger Abhängigkeit und Unselbstständigkeit gehalten, von der Außenwelt möglichst abgeschirmt, jeden ihrer Schritte kontrolliert, sogar eine Ehe arrangiert um ihren Einfluss nicht zu verlieren und nicht zu vergessen das Vermögen verwaltet, das ihr verstorbener Ehemann hinterlassen hat. All diese Erkenntnisse gewinnt der Leser durch die Beobachtungen und den Austausch zweier weiterer Figuren, Dr. Gerard ein angesehener Psychologe und die gerade frisch promovierte Dr. King. Während Ersterer natürlich aus beruflichem Interesse die perfekten Studienobjekte in den Familienmitgliedern sieht, hat die junge Ärztin Sara ein persönliches Interesse an einem der männlichen Mitglieder der Familie. Durch die Beobachtungen der Beiden wird der Leser ebenfalls zum Beobachter und erhält so einen Blick in die Psyche der Boyntons. Als die alte Dame dann stirbt, ist man als Leser genauso erleichtert wie die Familie und als sich andeutet, dass einer von ihnen sie ins Jenseits befördert hat, wünscht man sich zum ersten Mal, Poirot würde einen Fall nicht lösen können. Während man in anderen AC Krimis oft die Vielzahl an Personen bemängelt, die die Autorin einem gleich zu Beginn präsentiert, kann man sich hier den einzelnen Figuren schrittweise annähern. Es werden direkt Sympathie und Antipathie aufgebaut, die Guten und in diesem Fall die Böse, klar definiert, sogar das Motiv wird direkt mitgeliefert. Fall abgeschlossen, Poirot muss jetzt nur noch die genauen Einzelheiten aufdröseln. Weit gefehlt, den so wie es auf den ersten Blick schein ist bei AC selten etwas und so erweist sich auch hier die Geschichte vielschichtiger als anfangs erwartet. Die Autorin hat einen spannenden Fall geliefert, der den Leser über weite Strecken auf die falsche Spur schickt und dessen Auflösung überrascht, aber dann eigentlich auch wieder nicht, natürlich gibt es den für AC typischen Showdown, in dem Poirot den Fall aufrollt und den Täter überführt und natürlich passt dann rückblickend alles perfekt zusammen. Das Buch hat mich tatsächlich von der ersten Seite an begeistert, das anfängliche Fremdeln, dass ich oft bei AC verspüre, dieses sich erstmal in die Geschichte einfinden, ist hier komplett weggefallen. Die Art die Geschichte zu erzählen hat mir sehr gefallen und ich frage mich, warum ich dieses Buch nicht schon viel früher gelesen habe. Für mich eines ihrer Besten, das die Meisten wohl gar nicht auf dem Schirm haben.