Ein interessanter Fall über Wahrnehmung und Erinnerung, der mir durch die vielen ähnlichen Rückblicke aber zu repetitiv wurde.
Carla Lemarchant wächst in Kanada bei einer Adoptivfamilie auf. Als sie volljährig wird, erfährt sie, dass ihre leibliche Mutter einen Mord begangen haben soll und dafür zum Tode verurteilt wurde. Doch in einem Brief an Carla beteuert ihre Mutter ihre Unschuld. Carla glaubt ihr und möchte endlich Gewissheit für sich selbst und ihre Familie. Also engagiert sie Hercule Poirot, der sich der Herausforderung annimmt und in der Vergangenheit zu ermitteln beginnt. Was geschah vor 16 Jahren, als Carlas Mutter erfuhr, dass ihr Mann seine Geliebte heiraten wollte?An und für sich fand ich den Fall interessant und auch psychologisch recht aufschlussreich. Vor allem das Thema Wahrnehmung spielt eine große Rolle und es ist spannend zu sehen, wie unterschiedlich Menschen dieselbe Situation erleben und sich später daran erinnern. Was mich allerdings gestört hat, war, dass wir letztlich einen großen Teil des Buches damit verbringen, zu lesen, wie die verschiedenen Personen diesen einen Tag wahrgenommen haben. Die Gouvernante, die Halbschwester der Verurteilten, Freunde des Ehepaares und weitere Personen schildern jeweils ihre Sicht auf die Ereignisse. Und auch wenn genau darin natürlich der eigentliche Kniff des Falls liegt und Poirot aus diesen unterschiedlichen Erinnerungen seine Schlüsse zieht, war es mir irgendwann einfach zu repetitiv. Man kann zwar selbst miträtseln und versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen und die Aussagen miteinander zu vergleichen. Das hat mir grundsätzlich auch gefallen. Gleichzeitig hatte ich aber immer wieder das Gefühl, dass die Geschichte dadurch kaum vorankommt, weil man im Grunde immer wieder denselben Tag aus einer anderen Perspektive erzählt bekommt.Gerade deshalb hat mir am Ende ein bisschen etwas gefehlt. Der Fall selbst ist interessant und die psychologische Komponente hat mir gut gefallen, aber die Art, wie er erzählt wurde, konnte mich leider nicht vollständig packen. Ich glaube, mit etwas weniger Wiederholung hätte die Geschichte für mich deutlich besser funktioniert.