Den schulischen Religionsunterricht besuchen nicht nur konfessions- und religionsverschiedene, sondern auch konfessionslose Kinder und Jugendliche. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Aufgaben, Inhalte und Methoden religiöser Bildung? David Käbisch beantwortet diese Frage in empirischer, systematischer und didaktischer Perspektive.
Can a person have a religious education and not participate in religious practices? What is it that distinguishes an educated person from an uneducated person, and a religious person from a non-religious person? And in view of seemingly endless conflicts between religious denominations and religions would it not be better if there were no denominations and religions at all? David Käbisch applies these questions to religious education at schools which currently is attended not only by children and adolescents of different denominations and religions but also by those with no religious affiliation. The study focuses on sample problems which are suited for studying together with those who are non-denominational but also for ecumenical and interreligious study. The subject of non-denominationalism thus becomes instructive for both of these pluralistic learning dimensions. Kann ein Mensch religiös gebildet sein, ohne an einer religiösen Praxis zu partizipieren? Was unterscheidet überhaupt einen gebildeten Menschen von einem ungebildeten, und was einen religiösen von einem nichtreligiösen? Und wäre es angesichts endlos scheinender Konflikte zwischen Konfessionen und Religionen nicht besser, wenn es überhaupt keine Konfessionen und Religionen gäbe? David Käbisch bezieht diese Fragen auf den evangelischen Religionsunterricht, den nicht nur konfessions- und religionsverschiedene, sondern auch konfessionslose Kinder und Jugendliche besuchen. Im empirischen Teil seiner Studie beschreibt er typische Kirchenaustrittsgründe und religionskritische Überzeugungen in Ost- und Westdeutschland, ferner die heterogenen Erwartungen konfessionsloser Eltern an den Religionsunterricht und die Lernvoraussetzungen ihrer Kinder. Ausgehend von der oft zu Recht beklagten Konflikthaftigkeit von Religion erarbeitet er im systematischen Teil eine altersgemäße Differenz- und Konflikthermeneutik, die eine Antwort auf die Frage gibt, warum bestimmte Differenzen im religiösen Denken zu Konflikten im Leben führen, andere hingegen nicht. Im Zentrum des didaktischen Teils stehen schließlich kompetenzorientierte Beispielaufgaben, die für das gemeinsame Lernen mit Konfessionslosen, aber auch für das ökumenische und interreligiöse Lernen geeignet sind. Das Thema der Konfessionslosigkeit ist damit auch für diese beiden Lerndimensionen einer pluralitätsfähigen Religionspädagogik aufschlussreich.