Für eine Hermeneutik des sittlichen Urteilens verbindet Regina Fritz die Rekonstruktion der Entwürfe von Ernst Troeltsch und Johannes Fischer mit qualitativen Predigtanalysen. Dabei wird deutlich, dass Konstitution und Kommunikation eines christlichen Ethos im Zusammenwirken religiöser, gesellschaftlicher, sozialer und rhetorisch-ästhetischer Faktoren erfolgen.
In her work at the interface between ethics and practical theology, Regina Fritz deals with a hermeneutics of ethical judgment. Reconstructing the ethics of Ernst Troeltsch and Johannes Fischer, she reflects in particular on the contextual relativity of ethical acts and the inner subjective processes which accompany these. In order to study the power of interpretation of ethical reflections, the author relates these to sermons which are exemplary ways of communicating the Christian ethos. The analyses of the sermons which were held in the German Democratic Republic in the fall of 1989 verify the fact that a concurrence of religious and social factors does constitute a Christian ethos and that the rhetorical form of the language plays a pivotal role in its communication. In ihrer auf der Schnittstelle von Ethik und Praktischer Theologie konzipierten Untersuchung widmet sich Regina Fritz einer Hermeneutik des sittlichen Urteilens. Im Anschluss an die Theorieentwürfe von Ernst Troeltsch und Johannes Fischer reflektiert sie insbesondere die Kontextbedingtheit sittlicher Akte und die damit einhergehenden innersubjektiven Vollzüge. Um die Erschließungskraft der ethischen Überlegungen zu überprüfen, setzt sie diese mit Predigten als exemplarischen Vermittlungsinstanzen eines christlichen Ethos in Beziehung. Die Analysen der Kanzelreden, die im Herbst 1989 in der DDR gehalten wurden, plausibilisieren, dass sich ein christliches Ethos im Zusammenwirken religiöser, gesellschaftlicher und sozialer Faktoren konstituiert, wobei die rhetorische Gestaltung der Sprache für seine Kommunikation eine zentrale Rolle spielt.