Ungewohntes Thema und interessante Einblicke, aber eine Protagonistin, mit der ich nicht warm wurde.
Als Mistys langjähriger Partner sich plötzlich von ihr trennt, landet sie auf einer Dating-Plattform und trifft dort auf Christopher. Misty fühlt sich schnell zu ihm hingezogen, doch Christopher lebt in einer offenen Beziehung und hat mit seiner festen Partnerin ein gemeinsames Kind. Für Misty ist dieses Beziehungskonzept zunächst schwer vorstellbar, doch sie beginnt nach und nach zu hinterfragen, was sie eigentlich selbst will und braucht.Eigentlich ist das kein Buch, zu dem ich von selbst gegriffen hätte. Eine von mir sehr geschätzte Person hat es mir geliehen, weil sie meine Meinung dazu hören wollte. Und ich muss sagen: Mit Misty bin ich leider überhaupt nicht warm geworden. Sie ist eine sehr schräge, unsichere Persönlichkeit, die sich im Laufe der Geschichte auf eine Art Selbstfindungsreise begibt. Dabei werden interessante Fragen aufgeworfen, etwa ob man sich eine Beziehung wirklich aus dem Wunsch nach Nähe heraus wünscht oder eher aus Angst, allein zu sein. Auch stellt Misty immer wieder infrage, ob Monogamie tatsächlich zu ihr passt oder ob sie dieses Modell nur übernommen hat, weil es gesellschaftlich als normal gilt. Was mich oft irritiert hat, war Mistys Art. Ihre schonungslose Ehrlichkeit, bei der sie scheinbar jeden Gedanken ungefiltert ausspricht, wirkte auf mich stellenweise befremdlich. Gleichzeitig erschien mir ihre Unsicherheit und teilweise auch Unwissenheit, gerade in ihrem sehr akademischen Umfeld, nicht immer glaubwürdig.Positiv hervorheben möchte ich, dass die Darstellung offener Beziehungen hier nicht verklärt wird. Im Gegenteil, die Komplexität und die Herausforderungen werden durchaus realistisch gezeigt, was ich sehr interessant fand, da ich bisher wenig in diese Richtung gelesen habe. Der Einstieg war für mein Empfinden etwas zäh, aber ab der zweiten Hälfte konnte mich das Buch dann doch besser unterhalten. Am Ende bleibt für mich das Gefühl, dass das Buch einfach nicht ganz meinem Beuteschema entspricht. Trotzdem war es eine interessante Leseerfahrung.