Wenn ein Traum zur Obsession wird
Jessamyn St. Germain hat einen großen Traum. Sie will auf die Bühne, sie will berühmt werden und endlich die Anerkennung bekommen, die sie ihrer Meinung nach verdient. Als sich die Chance auf eine Rolle in ihrem Lieblingsmusical bietet, scheint ihr großer Moment gekommen zu sein. Doch statt der erhofften Hauptrolle bekommt sie einen ganz anderen Job. Für Jessamyn ist das aber noch lange kein Grund, ihren Traum aufzugeben.
Ich war sehr schnell mitten in Jessamyns Gedankenwelt. Und die hat es wirklich in sich. Sie ist ehrgeizig, neidisch, selbstverliebt und oft kaum auszuhalten. Und doch konnte ich sie nicht nicht mögen. Irgendwas hat sie an sich, dass mir doch sympathisch war. Auch ein Grund, warum ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Denn je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr wollte ich wissen, wie weit Jessamyn für ihren Traum gehen wird.
Besonders spannend fand ich, dass die Geschichte komplett aus ihrer Sicht erzählt wird. Dadurch erlebt man alles sehr unmittelbar und beginnt gleichzeitig immer stärker daran zu zweifeln, ob Jessamyn die Realität überhaupt noch richtig wahrnimmt.
Der Roman ist schrill, düster, bissig und stellenweise herrlich absurd. Der schwarze Humor hat mir dabei richtig gut gefallen. Gleichzeitig stecken hinter der überdrehten Geschichte ernste Themen wie Erfolgsdruck, Selbstzweifel, Machtmissbrauch und die Frage, was von einem Menschen übrig bleibt, wenn ein Traum zum einzigen Lebensinhalt wird.
Es ist sicher kein Wohlfühlbuch und Jessamyn keine Figur, die man unbedingt mögen muss. Aber genau das macht sie so faszinierend.
Für mich war dieses Buch eine wilde Reise durch Ehrgeiz, Obsession und Selbsttäuschung. Ein ungewöhnlicher Roman, der mich überrascht hat und mir noch länger im Kopf bleiben wird.
ISBN: 978-3759600608
Autorin: Meredith Hambrock
Verlag: Poal
ET: 01.06.26
Umfang: 401 Seiten