Dieses Buch war das Jahreshighlight von (LovelyBooks-)Lisa und ein Jahr später habe ich mir endlich gedacht: Dann lese ich es mal auch. Ich weiß nicht, ob es so etwas wie richtiges Timing bei einem Buch gibt oder ich es ruhig früher hätte lesen sollen, aber es hat mich vollkommen in den Bann geschlagen. Ich habe an einem Abend mehr als die Hälfte gelesen und am nächsten den Rest. Die Art, wie Sophie White schreibt und ihre Figuren einfängt, ist der Wahnsinn. Ich mag eigentlich keine abwechselnden Erzählperspektiven, ich mag Romance und keine existenziellen Krisen, und hier kam die Autorin und hat alles vom Tisch gefegt. Spätestens ab Ende der 20er werden Freundschaften viel zu oft zugunsten von romantischen Beziehungen vernachlässigt, und umso schöner finde ich hier den Fokus auf Frauenfreundschaften. An diesem Beispiel zeigt sich, wie "Hot Mess" die Waage zwischen absurd komödiantisch und schmerzhaft realitätsnah hält, denn einerseits wollen wir denken "haha, das würde mir nie passieren", andererseits - verdammt, wo finden wir denn wirklich noch neue Freundinnen ab 30? Obwohl ich wechselnde Erzählstränge vor allem deswegen nicht mag, weil ich meistens schon vergessen habe, was vor zwei Kapiteln passiert ist (es ist schlimm mit der Aufmerksamkeitsspanne), war ich hier richtig gefesselt von der Geschichte und konnte zu keinem Zeitpunkt vorhersehen, wie es weitergehen oder gar ausgehen würde. Das Ende musste ich erst mal sacken lassen, letztendlich finde ich es aber unglaublich wichtig, berührend und auch stimmig. Was für ein schmerzhaft schönes Buch, vor allem für alle um die 30. 4,5 Sterne.