Der Häscher des Kardinals

Folge II des 17-bändigen Kreuzzug-Epos Die Kinder des Gral.
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»Ein Buch, das weit mehr hält, als es verspricht. Nicht nur die 13 wilden Jahre des Rainer Werner Fassbinder werden hier beschrieben, sondern es ist dies ein Insider-Panorama des gesamten jungen deutschen Films. Mit schier unglaublicher Akribie ist h … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Der Häscher des Kardinals
Autor/en: Peter Berling

EAN: 9783943824018
Format:  EPUB ohne DRM
Folge II des 17-bändigen Kreuzzug-Epos Die Kinder des Gral.
hockebooks GmbH

16. Oktober 2013 - epub eBook - 166 Seiten

Beschreibung

»Ein Buch, das weit mehr hält, als es verspricht. Nicht nur die 13 wilden Jahre des Rainer Werner Fassbinder werden hier beschrieben, sondern es ist dies ein Insider-Panorama des gesamten jungen deutschen Films. Mit schier unglaublicher Akribie ist hier ein Mosaikbild der deutschen Filmlandschaft jener Jahre zusammengetragen worden.
Mit schonungsloser Offenheit und beißendem Sarkasmus geht Berling dabei zu Werke, aber nie fehlt die unterschwellige Liebe dessen, der sich dankbar bewusst ist, dabei gewesen zu sein.
Bei Berling entsteht ein ganz neues Bild Fassbinders, ein bayerischer Bimsbrocken, der rücksichtslos alles und alle aufsaugt, benützt, quält, mitreißt und - liebt.«
Mario Adorf

Inhaltsverzeichnis

I DAS OHR DES DIONYSOS
Auf falscher Fährte
Inquisitionsprotokoll
Das Schnauben des Drachen
Leere Betten
II DES KAISERS MINORIT
Der Köder
Böses Erwachen
Ein einsamer Wolf
In Acht und Bann
Der Amalfitaner
III LA GRANDE MAÎTRESSE
Die Schwarze Sänfte
Der Überfall
Gewitter über Apulien
Zerschlagenes Geschirr
Das Blitzen
Die Königlichen Kinder
Erhebende Zweifel
Die Lawine
IV DIE BRÜCKE DER SARAZENEN
Der Graue Kardinal
Die Nachkommen des Propheten
Glühende Eisen
Die Räucherkirche
Byzantinische Verschwörung
Die Hirtinnen
V SOLSTIZ ÜBER GLETSCHERN
Des Bischofs Schatzkammer
Der Liebesdienst
Die Speisefolge
Der Tag vor der Hochzeit
Ein seekranker Franziskaner
Der Herzenshüter
VI DIE FÄHRTE DES MÖNCHS
Ein heißes Bad
Die Mausefalle
Ein Brief ohne Absender
Roberto der Kettensprenger
Ärger in Ostia
William der Unglücksrabe
AUSBLICK AUF DIE WEITEREN GESCHEHNISSE
DRAMATIS PERSONAE
IM DIENST DES GRAL
IM DIENST FRANKREICHS
IM DIENST DER KIRCHE
IM DIENST DES REICHES
SONSTIGE
DANK FÜR MITARBEIT UND QUELLEN
Der Autor
Copyright

Portrait

Peter Berling wurde am 20. März 1934 in Meseritz geboren, in der ehemaligen Grenzmark Brandenburgs. Seine Eltern waren die Berliner Architekten und Poelzig-Schüler Max und Asta Berling. Jugend, Krieg und Gymnasium in Osnabrück (wohin die Familie 1938 umzog) und auf dem Internat Birklehof im Schwarzwald. 1954 Beginn eines Architektur-Studiums in München, Wechsel zur Akademie der Bildenden Künste, Tätigkeiten als Werbegrafiker, Reiseleiter, Konzertveranstalter, Musikverleger.
Angestoßen durch ...

Leseprobe

II
DES KAISERS MINORIT


Der Köder


Chronik des William von Roebruk

Otranto, Herbst 1245

Es war weit nach Mitternacht, als unser Zug aufbrach. Ich war kurz aufgewacht, als sich meine Sänfte in Bewegung setzte. Ich sah noch, wie ein junges Mädchen in die andere stieg – das musste Clarion sein, Hamos Halbschwester oder zumindest die schöne Ziehtochter der Gräfin.

Zwei Bündel wurden ihr nachgereicht, so wie Yeza und Roç damals von Lobas Hütte fortgeschafft worden waren. Heute würden sich die Kinder, wie ich sie jetzt erlebt hatte, eine solche Verpackung herzlich verbitten!

Wann würde ich sie wohl wiedersehen? Dass ich nicht das letzte Mal ihren Weg gekreuzt hatte, war für mich inzwischen zur Gewissheit geworden. Weit lag Frankreich zurück, sein frommer König und auch der Montségur. Hätten mich nicht die Kinder noch einmal darauf gebracht, für die die verlorene Mutter noch immer ein Problem war, ich hätte ihn längst vergessen. Ich war eingetaucht in ein neues Leben, ich war ein anderer Mensch, mit zufällig noch dem gleichen Namen. Ich befand mich auf eine merkwürdige Art in Gottes Hut, wenngleich ich ihm weniger diente als je zuvor in meinem Leben; ich betete kaum noch, ließ ihn – wie mich – einen guten Mann sein, und doch schenkte er mir reuelosen Genuss und vor allem Selbstvertrauen.

Genau besehen, hatte ich indes wenig Grund, so zuversichtlich gestimmt zu sein. Vor mir lag mit Sicherheit eine strapaziöse Reise, gespickt mit mir noch unbekannten Abenteuern. Unser nächstes Ziel war Lucera. Dort sollten die beigefügten Soldaten der Gräfin gegen Mannschaften aus der sarazenischen Garnison ausgetauscht werden, um Otranto nicht schutzlos zu lassen. Die Sarazenen sollten uns bis Cortona geleiten, wo Elia Anweisung für einen ersten Zwischenaufe
nthalt erteilt hatte.

»Danach wäre dann auch der gefährlichste Abschnitt passiert, das Durchqueren der Abruzzen, wo Unsicherheit herrscht und sich Päpstliche und Kaiserliche überfallartige Scharmützel liefern. Die späteren Pässe über den Apennin und dann über die Alpen waren fest in der Hand des Staufers – lombardische Unwägbarkeiten mal beiseite gelassen!« Hamo hatte sein Pferd neben meine Sänfte gelenkt, kaum dass wir Otranto verlassen hatten. Ich hatte das Gefühl, dass er ganz froh war, in mir einen vielgereisten und verständigen Gesprächspartner zu haben, bei dem er nicht – wie gegenüber den langgedienten Soldaten, die er jetzt befehligte – den überlegenen, allwissenden Feldherrn spielen musste.

Doch es war vor allem ein einfacher Sergeant, ein alter, o-beiniger Seeräuber, Guiscard d’ Amalfi, auf den sich Hamo verließ. Der Normanne hatte schon dem verstorbenen Grafen als Bootsmann gedient, hatte alle Ecken des Mittelmeeres besegelt, bevor er auf dem Kastell von Otranto als gräflicher Waffenmeister zur Landratte geworden war.

»Guiscard ist ein kartografisches Genie – er hat Land und Wüsten im Kopf wie andere die Äneis des Vergil[10]; mit wenigen Strichen zeichnet er Flüsse, Gebirge mit ihren Furten, Straßen und Pässen in den Sand, deren Proportionen wie auch seine Entfernungsangaben immer genau stimmen, wie du feststellen wirst«, pries Hamo ihn mir.

Sein Defekt war allerdings, wie sich schnell herausstellen sollte, dass es nichts auf Erden gab, was er sich nicht zutraute; jede Tollkühnheit schien ihm normal, jeder Wahnwitz eine Herausforderung. Sein Wahnsinn flatterte ihm voran wie eine Fahne und – das war das Schlimme – sprang auf Hamos junge Hundeohren über wie ein Rudel Flöhe.

Ich befand mich in einer schwierig
en Lage – Gefangener einerseits, und doch von den Nornen eingeladen, an unser aller Schickal mitzuweben. Hamo mochte ich nicht trauen, zu sehr schien mir sein Handeln von verletztem Stolz und törichter Eitelkeit bestimmt und durch keinerlei Erfahrung mit dem rauen Alltag eines kriegerischen Unternehmens zur Besonnenheit gedämpft. Der Sergeant hingegen war mit allen Wassern gewaschen, Krieg war sein Handwerk, doch leider suchte er das Abenteuer auch, wenn er es nicht schon vorfand.

Hätte ich mich aus allem rausgehalten, hätte ich mich gefühlt wie zwischen zwei Mühlsteinen. So konnte ich mir wenigstens einbilden, mein Rat sei das Wasser, das sich auf die eine oder andere Mühle goss. Wo ich mich schon entschlossen hatte, nicht wegzulaufen, mochte ich auch nicht als störrischer Esel dastehen.

Eine bequeme Sänfte war der erste Lohn für solch positive Einstellung. Um mein übriges leibliches Wohlergehen machte ich mir keine Sorgen. Häftlingsschicksal ist wahrscheinlich nur grässlich, wenn man ohne Hoffnung und persönliche Ansprache Teil einer grauen Masse ist. Hat sich einer über diese erhoben, Beachtung erzeugt und gefunden, ist gute Behandlung eigentlich die logische Folge. Ich könnte mir den Rest meines Lebens als Sonder-Gefangener gut vorstellen. Gefahr ist nur gegeben, wenn das Interesse der Höheren an dir erlischt, dann lassen sie dich tief fallen, präzise in den Tod, während in dem grauen Heer der Namenlosen ein Überleben gegeben ist. Doch was für ein Leben?

Im Morgengrauen zogen wir an den Mauern von Lecce vorbei. Die zum Markt strömenden Bauern zogen den Hut vor mir …

Böses Erwachen


»Die Kinder! Die Kinder sind verschwunden!«

Von diesem Lamento ihrer Zofen und Zimmermädchen wurde die Gräfin jäh aus ihrem Tiefschlaf gerissen. Die Sonne stand schon hoch am Himmel. Si
e sprang aus dem Bett, stieß die Ankleiderin, die Badefrau und die Kämmerin beiseite und raste zum Zimmer der Kinder. Die Decken der Betten fehlten, wie auch etliche Wäsche.

»Was steht ihr noch dumm herum?!« fuhr sie Köchin, Amme und Gouvernante an. »Sucht sie!«

Sie ließ die Wachen rufen; keiner hatte die Kinder an diesem Morgen gesehen. Die Soldaten erhielten Zutritt zu den inneren Gärten und den Gebäudeteilen, die sie ansonsten nicht zu betreten hatten.

Crean tauchte auf; er wollte sofort Tarik wecken lassen. Die Gräfin hielt ihn davon ab.

»Ich habe einen furchtbaren Verdacht!« vertraute Laurence ihm an, als sie wieder allein waren. »Gott hat uns gestraft!« Sie zitterte am ganzen Leibe: »Ist es möglich, Crean, dass die Kinder, ich meine, die richtigen, mit den falschen vertauscht wurden?«

Crean schüttelte den Kopf, doch Laurence war nicht zu beruhigen. »Sollte Hamo so weit gegangen sein, mir nicht nur Clarion zu rauben, sondern mir auch noch die Kinder wegzunehmen?«

»Auf keinen Fall! Ich meine, wir sollten zunächst die zuständigen Betreuerinnen befragen.«

Auch dies brachte indes wenig Aufschlussreiches zutage.

»Die Kinder«, stellte Crean schließlich fest, »sind anscheinend pünktlich zu Bett gebracht worden; sie waren allerdings auffällig brav – wie mir die Amme unter Tränen gestand, die jeden Abend als letzte sie zudeckt, nie ohne den Versuch zu unternehmen, mit ihnen zu beten. Sie haben sogar gebetet!«

Die Gräfin nahm ihn beiseite: »Ihr wart doch heute Nacht dabei. Gab es die geringste Möglichkeit, die Kinder auszutauschen?«

»Nein«, sagte Crean, ohne nachzudenken. »Hamo hatte die falschen Kinder schon am Abend in die Burg kommen lassen. Mit dem Abendessen erhiel
ten sie ein starkes Schlafmittel. Den Schlüssel zu ihrer Kammer hatte er in Verwahrung genommen – aber der Raum ist jetzt leer!«

»Wer« – Laurence war wütend auf sich selber, dass sie den Abmarsch nicht persönlich beaufsichtigt hatte – »wer hat die eingewickelten Kinder kontrolliert, die Clarion in die Sänfte gereicht wurden?« Sie hatte also doch noch von einem Fenster aus alles verfolgt!

»Ich habe die Köchinnen vernommen, die sie aus der Futterkammer geholt haben«, sagte Crean. »Denen wäre eine Verwechslung aufgefallen –«

»Oder sie stecken unter einer Decke mit –«

»– den Kindern!« kam Crean die Eingebung. »Der Schlüssel liegt bei den Kindern! Sie hingen an William. Vielleicht wollten sie mit ihm zusammen …?«

»Wer«, funkelte die Gräfin aufgebracht, »will denn noch alles mit diesem hässlichen Mönch – erst dieses aufgetakelte Straßenmädchen –«

»Halt!«, sagte Crean. »Ist die Hur noch im Hafen?«

»Ich hoffe, sie hat die Segel gesetzt!«, schnaubte Laurence, »sonst will ich ihr Beine –«

»Ihr solltet im Gegenteil beten, dass sie noch da ist!« fuhr ihr Crean dazwischen. »Das ist vielleicht des Rätsels Lösung!«

»Wachen!«, schrie die Gräfin und hastete hinter Crean her, der sich seinen Weg zur Hafentreppe suchte. »Hier lang!«

Sie eilte ihnen voraus, immer noch im Hemd, wenigstens hatte die Zofe ihr einen Mantel überwerfen können. Die Amme, die Kämmerin, die Gouvernante trippelten aufgeregt hinterher.

Ingolinde hatte gut geschlafen und hoffte beim Aufwachen in ihrem fahrbaren Bett nur eines: auch heute wieder William in die Arme schließen zu
können. Es hatte allerdings den Eindruck gemacht, als seien da gewisse Schwierigkeiten zu überwinden.

Es hatte ihr nichts ausgemacht, dass – kaum dass William sie verlassen – ein halbes Dutzend Soldaten die Kammer betreten, sich hastig an ihr gütlich getan und sie dann – von derben Witzen begleitet – gemeinsam zu einer Luke getragen und in eine Futterrutsche geschoben hatten. Sie hatten ihr genug Heu unter den Hintern gepackt, dass sie sich keinen Spreißel einzog, sondern glatt unten vor ihrem Lastensegler auf die Mole plumpste. Das waren halt die kleinen Spritzer, die man in Kauf nehmen musste! Man konnte sie abwischen!...


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